Peru: Reisetipp Ruinen von Kuelap – Festungs-Stadt des Chachapoya-Volkes

Neben der Haupt-Touristenattraktion Perus, die Ruinen von Machu Picchu, hat das südamerikanische Andenland noch einige weitere sehenswerte Ruinen zu bieten. Dazu zählt Kuelap, eine Ruinenstadt/-Festung des Volkes der Chachapoya, eine Prä-Inka-Kultur. Erfahrungen, Reisetipps und Eindrücke einer sehr schönen südamerikanischen Sehenswürdigkeit.
Schönes Gemäuer mit Mustern und Verzierungen
Schönes Gemäuer mit Mustern und Verzierungen

Wie so oft, siehe Machu Picchu – alte Inkastadt…, wenn es (zu Fuß) zu herausragenden kulturellen oder landschaftlichen südamerikanischen Sehenswürdigkeiten geht, heißt es früh aufstehen. Unser Ausgangspunkt ist das kleine Dorf Nuevo Tingo auf knapp 2000 Metern über dem Meeresspiegel, im Norden Perus gelegen. Unser Ziel, die Ruinen der Stadt Kuelap, die in beeindruckender Weise oben auf den Berg gebaut wurde, liegt auf ungefähr 3000 m ü. M. Rund 1000 Höhenmeter, bei denen es außer „hoch“ keine andere Richtung gibt, sind kein Pappenstiel, es lohnt sich aber.

Seinerzeit mit einer US-Amerikanerin und einer Engländerin unterwegs, hatte man uns für den Aufstieg eine Dauer von ca. drei Stunden vorhergesagt. Wir kreierten in der Folge den Ausdruck „Inka-Speed“, weil wir es nicht unter satten 4,5 Stunden schafften. Es sollte nicht das letzte Mal sein, dass peruanische Zeitangaben sich nicht mit unserer Wander-Leistung deckten. „Inka-Speed“ stand fortan für einheimische Zeitangaben bei Wanderungen…

(Dieses Phänomen von untertriebenen Zeitangaben für Entfernungen und Zeiten gilt es übrigens auch in anderen Ländern Südamerikas richtig einzuschätzen…)

Bissiger Anstieg
Bissiger Anstieg

Vom Tal des Flusses Río Utcubamba wird mit jedem Höhenmeter auf dem staubigen und steinigen Weg die Aussicht schöner. Man blickt auf eine dünn besiedelte, bergige Landschaft. Die Vegetation erinnert an die Yungas in Bolivien, siehe mein Artikel über den Takesi-Trek. Schaut man auf einen der gegenüberliegenden Berge wird klar, von was die Menschen hier vorwiegend leben: Wie ein Flickenteppich teilt sich die Hangfläche in verschiedenfarbige Segmente, auf denen offensichtlich jeweils verschiedene Arten von Pflanzen angebaut werden. Beim Aufstieg passiert man zudem das ein oder andere Bauernhaus. Es ist unschwer festzustellen, dass die Leute hier in sehr einfachen Verhältnissen und vermutlich nicht selten (fast) ausschließlich von ihren selbst angebauten Produkten leben.

In Serpentinen geht es weiter bergan. Nachdem man vielleicht mal falsch abgebogen war und glücklicherweise auf einem der wenigen Anwesen jemand mit Ortskenntnissen antraf, gelangt man schließlich erschöpft aber glücklich auf die leicht ansteigende Fläche von Wiesen. Der Bergrücken ist erreicht. In einigen Metern Entfernung türmen sich die Stadtmauern von Kuelap auf.

Bloß nicht verlaufen
Bloß nicht verlaufen
Die Stadtmauern von Kuelap
Die Stadtmauern von Kuelap

Gut möglich, dass sich einem beim Annähern an einen der Eingänge der Stadt recht zügig einheimische Führer nähern, um ihre Dienste als Guide durch die Ruinen anzubieten. Alternativ sind offizielle Eintrittskarten beim Parkplatz auf der anderen Seite der Ruinenstadt erhältlich. Dies bedeutet jedoch weitere 20 Minuten zu Fuß, einfach Strecke wohlgemerkt.

Über den genauen Zeitpunkt der Entstehung der Ruinenstadt Kuelap ist sich die Wissenschaft nicht ganz einig, ebenso wie bei der Funktion des Komplexes. Es wird von einer Entstehung zwischen 400 und 800 n. Chr. ausgegangen. Bei der Funktion ist ungeklärt, ob Kuelap als dauerhaft bewohntes Dorf fungierte oder ob sich die Menschen dorthin nur im Notfall zurückzogen. Platz bot es jedenfalls für ein paar Tausend Menschen. Mehrere Hundert Gebäude mit kreisrunder Grundfläche zählten zu den Gebäuden der südamerikanischen Ruinenstadt. Ebenso ein Tempel sowie ein Turm für zeremonielle Zwecke.

Besonders sehenswert sind die übriggebliebenen Gemäuer der Gebäude mit ihren Verzierungen, die beeindruckenden Zugangs-Gang (Haupteingang der Ruinenstadt) und die Einbettung des gesamten Komplexes in das keineswegs ebene Gelände des Bergsattels. Erstaunlich wie die Menschen vor Hunderten von Jahren – wie auch bei Machu Picchu – in unwegsamen Gelände und in beachtlicher Höhe menschliche Siedlungen errichtet haben.

Altes Wohnhaus aus der Zeit
Altes Wohnhaus aus der Zeit
Hinter den Ruinen geht es direkt runter
Hinter den Ruinen geht es direkt runter
Der Haupteingang zur Ruinenstadt
Der Haupteingang zur Ruinenstadt
Man kann nur ahnen, wie schwierig der Bau der Stadt/Festung in diesem Gelände gewesen sein muss
Man kann nur ahnen, wie schwierig der Bau der Stadt/Festung in diesem Gelände gewesen sein muss

Da lohnt es sich, wenn man neben dem Aufnehmen von archäologisch-historischen Informationen einmal innehält, um den Ort, seine Landschaft und vor allem auch den Ausblick über die umliegende Gebirgslandschaft zu genießen.

Auch mal die Aussicht genießen
Auch mal die Aussicht genießen

Für ein intensiveres Reise-Erlebnis bietet sich die Anreise zu Fuß an. Auch wenn die Wanderung etwas anstrengend ist, erlebt man schließlich so die Natur und die Umgebung viel intensiver. Es ist auch eine (holprige) Straße vom Dorf Nuevo Tingo bis einige Geh-Minuten vor die Ruinen vorhanden. Tipp: Ist man zu Fuß unterwegs, sollte man nicht zu spät aufbrechen, um noch bei Tageslicht wieder zurück im Dorf zu sein. Regelmäßigen öffentlichen Verkehr von den Ruinen zurück ins Tal gibt es nicht.

Im Tal stehen im Dörfchen Nuevo Tingo einfache Unterkünfte (in denen auch Essen serviert wird und ein paar Lebensmittel verkauft werden) bereit, und auch im gegenüberliegenden Magdalena ist ein Mindestmaß an Infrastruktur vorhanden.

Das kleine Bergkaff Tingo
Das kleine Bergdörfchen Nuevo Tingo

Es ist freilich kein Ort, um seine Backpacker-Ausrüstung zu komlettieren. Die Anreise nach Nuevo Tingo gelingt relativ einfach über Chachapoyas oder Leymebamba, die nächstgelegenen größeren Städte. Colectivos (Minibusse) und private Fahrer/Taxis können dafür für einen angemessenen Preis in Anspruch genommen werden.

Fazit: Diese Sehenswürdigkeit, die Ruinen von Kuelap, zählt eindeutig zu den beeindruckendsten Südamerikas. Im Gegensatz zu Machu Picchu geht es hier förmlich ruhig zu. Eine schöne Wanderung in weitgehend unberührter Natur kann hier mit der Besichtigung einer historischen Stätte einer Prä-Inka-Kultur verbunden werden. Da die Anreise nicht gerade einfach ist und die Region generell nicht bei jedem Backpacker und Reisenden auf der Reiseroute durch Südamerika steht, lernt man hier fernab des Massentourismus eine tolle südamerikanische Sehenswürdigkeit kennen. Generell ist der Norden Perus bei (Rucksack-)Touristen deutlich weniger frequentiert wie zum Beispiel Cusco, Arequipa, der Titikaka-See oder natürlich Machu Picchu.

Eine kleine Galerie an weiteren Fotos findest Du unten!

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