Frühmorgendliches Plastiktüten-Geraschel – Vom Hostel-Leben auf Backpacking-Tour (in Südamerika)

Plastiktüten-Geraschel – Der „Stör-Klassiker“ in Hostels

Wer kennt das nicht? Es ist mitten in der Nacht. Man träumt gerade die süßesten Backpackerträume von der nächsten Etappe auf der Route durch Südamerika. Zwei Backpacker taumeln gut gelaunt, angetrunken und laut ins 8er-Mehrbettzimmer. Kein Problem, das ist eben der Preis des günstigen (Übernachtungs-)Preises!? Eigentlich schon! Wenn sie jetzt nur nicht anfangen würden, ihre Rucksäcke zu packen. In der Regel hat jeder Backpacker unzählige Plastiktüten in seinem Besitz. Sie sind ja praktisch, da wasserdicht und meist gratis. Und bieten eine Möglichkeit, ein bisschen Ordnung in den Backpack zu bringen. Außerdem eignen sie sich als Einkaufstüten, dafür wurden sie ja schließlich hergestellt. Jetzt – beim Packen der Rucksäcke durch die Zimmergenossen – werden sie zur Nervensäge: Plastiktüten-Rascheln, ein klassischer Störfaktor in einem Mehrbettzimmer. Noch schnell das Licht angeknipst, es soll ja nachher nix liegenbleiben. Psychoterror? Folter? Eine Mutprobe? Nein, ganz normales Hostel-Leben!

Lebensmittel kommen weg – kann in Hostels passieren

Das hat nun bestimmt eine gute halbe Stunde des wohlverdienten Schlafes geraubt. Da war ja auch noch das Pärchen, das einige Zeit später ankam und über Backpackerkram stolpernd die noch freien Betten ertastete. Schlaftrunken und mit Augen auf Halbmast verholt man sich in die Hostel-Küche.

Das unaufgeräumteste Mehrbettzimmer, in dem ich auf der gesamten Reise unterkam: Im Hostel in Quito, Ecuador.
Das unaufgeräumteste Mehrbettzimmer, in dem ich auf der gesamten Reise unterkam: Im Hostel in Quito, Ecuador.

Der gestern im Kühlschrank deponierte leckere Joghurt-Drink soll den müden Leib in Schwung bringen, immerhin wollen heute ein paar der besten Sehenswürdigkeiten Südamerikas erkundet werden. Fehlanzeige! Der Joghurt-Drink „hat Füße bekommen“, respektive jemand konnte ihn gut gebrauchen. Und das, obwohl er vorschriftsmäßig in einer Plastiktüte verstaut und mit Name und Datum versehen wurde. Ganz normales Hostel-Leben!

Profitieren von Dingen, die andere zurückgelassen haben – auch das gibt’s in Hostels

Nicht den Kopf in den Sand stecken! Lieber schnell in der Abteilung „free use“ nachschauen, ob jemand ein interessantes und hilfreiches „Hallo wach“-Lebensmittel der Hostel-Allgemeinheit zur Verfügung gestellt hat. Voilà! Eine Packung Kekse und eine fast abgelaufene Milch im Tetra-Pak. Kein Joghurt-Drink, aber immerhin. So kann der Tag losgehen. Ganz normales Hostel-Leben!

Gesellschaft finden und sich inspirieren lassen – für viele Reisende einer der Hauptgründe, in Hostels abzusteigen

Die nette Gruppe Schweizer Backpacker (Backpackertypen) hat es einem Angesehen, wie „begeistert“ man vom Joghurt-Drink-Diebstahl war. Vorteil: So ist man ins Gespräch gekommen. Woher kommst Du? Wohin reist Du? Wo warst Du schon? Hast Du Sehenswürdigkeit XY schon gesehen? Die manchmal etwas langweiligen und vielleicht schon nervigen Standard-Fragen einmal ausgeblendet, ist es doch eine tolle Möglichkeit, schnell und unkompliziert neue Leute kennenzulernen.

Der gemütliche Aufenthaltsraum in der Posada Amor Patrio in Ciudad Bolívar, Venezuela: Lädt zum Verweilen und Kennenlernen anderer Backpacker ein.
Der gemütliche Aufenthaltsraum in der Posada Amor Patrio in Ciudad Bolívar, Venezuela: Lädt zum Verweilen und Kennenlernen anderer Backpacker ein.

Und mal ehrlich: Auch wenn die typischen Fragen auf Dauer Monotonie erzeugen mögen, sind sie doch ein sicherer Einstieg in eine Konversation unter Gleichgesinnten. Die Schweizer Gruppe hat eine gute Idee: Sehenswürdigkeit XY, Besuch des großen Wochenmarktes und anschließender Stadtbummel mit der Aussicht auf ein, zwei Bierle. Klingt gut, die Einladung wird angenommen und so ist der Tag, der eher mäßig begonnen hatte, schon gerettet. Ganz normales Hostel-Leben!

Sightseeing und Ausflüge in netter Gesellschaft – in Deinem Hostel findest Du Begleitung

Ein toller Tag in einem Backpacker-Leben nimmt seinen Lauf. Strukturiert wie die Schweizer sind, greift ein Programmpunkt in den anderen (Achtung Augenzwinkern!). Praktisch, wenn sich ein gemütlicher und dennoch ereignisreicher Tag in Gesellschaft ein paar netter Seelenverwandter verbringen lässt und man noch nicht einmal selbst Ideen finden und planen musste. Reisen à la „Lass Dich treiben!“. Ganz normales Hostel-Leben!

Sich am Bücher-Regal inspirieren lassen – in den meisten Hostels möglich

Zurück im Hostel und der Tag ist noch nicht ganz vorbei. Respektive es bleibt ja noch der Abend, die Nacht. Erstmal duschen und dabei Wäsche waschen (Wäsche waschen in Südamerika). Und dann ab in die Bücherecke des Hostels, wo Bücher zum Lesen bereitstehen und auch Bücher-Tausch gemacht werden darf.

Das hübsche Wohnzimmer im Hostel Casa Kreyenberg in Valparaíso, Chile
Das hübsche Wohnzimmer im Hostel Casa Kreyenberg in Valparaíso, Chile

Ein alter „Foot Print – South American Handbook“ (meine Reiseführer-Empfehlung für Südamerika) und ein Bildband der Region machen Lust auf Stöbern…und geben Ideen für die nächsten zu besuchenden Sehenswürdigkeiten. Außerdem ergibt sich schon wieder und ganz zufällig eine nette Unterhaltung, diesmal mit einem chilenischen Backpacker. Ganz normales Hostel-Leben!

Ein Bierle in gemütlicher Gesellschaft – viele Hostels haben eine (zumindest kleine) Bar

Auch der Südamerika-Reiseführer wird irgendwann langweilig. Also wird es Zeit für einen Drink in gemütlicher Gesellschaft. Kein Problem, denn die meisten Hostels verkaufen Getränke, wenigstens eine kleine Auswahl.

Der Aufenthaltsraum mit Fernseher in einem Hostel in Manaus, Brasilien. Es war gerade Fussball-WM (2010) und so konnte man hier bei Fussball und Bier schnell neue Leute kennenlernen.
Der Aufenthaltsraum mit Fernseher in einem Hostel in Manaus, Brasilien. Es war gerade Fussball-WM (2010) und so konnte man hier bei Fussball und Bier schnell neue Leute kennenlernen.

Ein Bierchen, ein Kaffee, ein nicht alkoholisches Getränk und vielleicht sogar ein lokaler Cocktail sollten allemal drin sein. Häufig gibt es sogar eine Bar. Dort oder im Aufenthaltsbereich findet man – wenn man will – locker auch einen anderen Reisenden (oder mehrere), der ein paar gemütliche Minuten oder Stunden teilen möchte. Ganz normales Hostel-Leben!

Meine Lieblings-Unterkünfte / Hostels in Südamerika:

(Backpacker-)Reisetipp: Südamerikas Top-Hostels und Top-Unterkünfte – Meine Lieblingsorte zum Übernachten, Teil 1

(Backpacker-)Reisetipp: Südamerikas Top-Hostels und Top-Unterkünfte – Meine Lieblingsorte zum Übernachten, Teil 2

Dies war ein spielerischer Einblick in das Hostel-Leben, wie es sich nicht nur auf einer Backpacking-Tour durch Südamerika erleben lässt. Zum Schmunzeln für alle, die es schon er- und gelebt haben. Zum Einstieg und zur besseren Vorstellung für all diejenigen, die erstmals in Hostels übernachten werden.

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3 Gedanken zu „Frühmorgendliches Plastiktüten-Geraschel – Vom Hostel-Leben auf Backpacking-Tour (in Südamerika)“

  1. Ich verstehe das mit den Plastiktüten nie. Es gibt doch auch Plastiktüten, die so gut wie nicht oder gar nicht rascheln. Und die sind nicht einmal schwer zu finden. Man bekommt sie sogar gratis beim Einkauf. Das einzige was man tun müsste: die richtige Tüte mitnehmen… puah…

    Und was ich auch nicht verstehe: Wie kann ein Backpacker, der schon ein paar Monate rum ist, versuchen ein Gespräch anzufangen, indem er nach der Herkunft fragt. Da kann er doch gleich auf die Stirn stempeln: „Sorry, ich bin unglaublich unoriginell und mit mir zu reden wird deswegen unglaublich langweilig.“ Was schon bei Einheimischen nervt, sollte bei anderen Touristen eigentlich ein absolutes No-Go sein!

    1. Hey Oli,

      danke für Deinen Kommentar!
      Echt, Du meinst, die ganz normalen Tüten, die man gratis bekommt, rascheln nicht? Obwohl ja alles doppelt laut wirkt, wenn der Raum (außer Schnarchern) ganz ruhig ist.
      Mich haben die Standard-Fragen auch immer ziemlich genervt und sind mir nicht besonders originell vorgekommen. Das läuft halt einfach oft unter (unorignelles) „Mittel zum Zweck“.

      Grüßle
      ulmi von ulmisreisen.com

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